Während ich eigentlich davon berichten wollte, wie das mir letztens verabreichte Medikament eine starke allergische Reaktion auslöste – wir erinnern uns an Frau Ich-überarbeite-mich-ebenmal-obwohl-ich-krank-bin und den Krankeneinsatz meiner Mitbewohnerinnen am Bett der Stimmlosen – werde ich vom Anblick meiner Zehen abgelenkt. War der neben dem kleinen Zeh schon immer so wülstig? Und täuscht der Schein, oder ist links sogar noch wülstiger als rechts?

Da fällt mir auf, dass meine Zehen im Verhältnis zum Rest des Fußes fast ein wenig kurz aussehen. Hm Füße sind Füße denke ich und muss lachen, als ich an meine noch nicht lange zurück liegenden Fußkomplexe denke.

Heute kann ich über so manch ein komplexgesteuertes Verhalten einer jüngeren Marlies lachen. Wenn auch mit bitterem Geschmack bei der Erinnerung an verlorene Momente der Freude.

Die langen Hosen, die ich bei Hitze trug, damit man meine Beine nicht sieht. Die geschlossenen Schuhe, damit man meine Füße nicht sieht. Sind im Vergleich zu anderen Dingen, die ich gemacht oder eben nicht gemacht habe, noch harmlos.

Doch dieses Jahr war es irgendwie anders. Mein Selbstbewusstsein und meine Liebe zur Lebendigkeit zu groß geworden um mich weiter so einzuschränken. Ich habe keine Lust mehr darauf. Bin die zwanghaft um meine Erscheinung kreisenden Gedanken so leid. In den verschiedensten Formen haben sie mich seit Anbeginn der Pubertät begleitet, mir so manche Lebensfreude genommen und zu Handlungen gezwungen, die mein Selbstwertgefühl in Wahrheit nur verringert haben.

Jetzt ist es an der Zeit meinen kompletten Körper, mit all seinen Besonderheiten und Fähigkeiten zu rocken! Barfuß und in Shorts! Es leben die Käsefüße!

Dieses Jahr unterbinde ich mir Gedanken, die meinen Körper niedermachen. Meine Beine sind wunderschön sage ich mir. Rasierpickel, blaue Flecken, Narben, Cellulite und Blässe hin oder her und meine Füße ergänzen das Ganze perfekt.

„Übung ist der Schlüssel!“ sage ich mir und beginne von Anfang an in kurzer Hose und Schuhlos durch den Alltag zu tanzen.

Es ist wie mit allem bei dem ich Angst vor Ablehnung spüre: Die ersten Momente sind ungewohnt und komisch, es fühlt sich so an als würde jeder starren und ich bin mir – in diesem Fall meiner Beine – überdeutlich bewusst. Und dann vergeht einige Zeit im neuen Terrain, dass plötzlich zur Komfortzone dazugehört und Ungewohntes wird gewöhnlich und aus Angst das neue Selbstbewusstsein.

Dieses Jahr freier ich meine Freiheit! Ich bin frei meine Beine zu präsentieren, barfuß durchs Glück zu rennen, ungeschminkte Aknenarben der Sonne entgegen zu strecken, bauchfreie Tops zu selten rasierten Achseln zu rocken und Braless genau die feminine Kleidung tragen, die ich liebe.

Zumindest an den meisten Tagen und so fängt es immer an.

Das ist Freiheit für mich. Freiheit, die ich mir die letzten drei Jahre Stück für Stück erkämpft habe. Und die in meinen Händen zu halten sich so unfassbar wertvoll, empowerend und richtig anfühlt.

Damit sende ich ganz viel Lachen und Freiheit,

Marlies

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