Die Freiheit, die Echtheit bringt

Ich springe ins eisige Nass.

„Sehen die anderen mich? Das sah bestimmt gerade sehr komisch aus. Mein Hüftschwung war nett, aber bestimmt zu viel. Ich sollte meinen Hintern nicht so sehr betonen.
Schaut mich jemand an? Wie sieht das aus, was ich mache?

Ich liebe diese Musik, dieses Lied und diesen Moment. Tanzen macht Spaß.

Hm, das fühlt sich gut an, aber sah bestimmt scheiße aus. Beobachtet mich jemand?

Eigentlich kann ich ja schon tanzen, also kommt darauf an, was man darunter versteht vermute ich.

Ein paar Bewegungen lang kann ich es ganz gut – glaube ich, aber dann kommt wieder was ganz merkwürdiges. Und irgendwie mache ich immer das Selbe. Fühlt sich gut an, sieht aber gewiss doof aus.
Man sagt mir, ich könne tanzen, sei attraktiv, aber war das jetzt zu viel – eine Einladung?

Ich würde gerne öfter tanzen – macht echt Spaß.

Passt zu mir, so was intuitives.

Oh, ich hoffe, das hat gerade niemand gesehen.“

Nach einer Runde freiem Tanzen auf dem Women Empowerment Seminar werden wir aufgefordert, unsere Gedanken beim Tanzen niederzuschreiben.
Als Selbstreflexion war es schon erschreckend genug, vor sich zu sehen, was in einem vorgeht, wenn man doch einfach nur Freude empfinden könnte.

Die größte Herausforderung allerdings war der nächsten Schritt: Unseren inneren Dialog laut vorlesen.
Dabei lernten wir, dass frei sein und stark sein darin liegt, seine Verletzlichkeit zu zeigen, sich zu öffnen.
Es war gleichermaßen traurig wie tröstlich, Gemeinsamkeiten in den Gedanken der anderen zu hören.

Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich meine Gedanken beim Vorlesen ein klein wenig zensierte. Auch hier war sofort ein Monolog von: „die Anderen haben das viel besser formuliert und jetzt komm ich hier mit meinem plumpen Ausdruck. Wenn ich laut sage, dass ich mich sexy fühlte, lachen sie bestimmt innerlich über mich oder halten mich für eingebildet…“

Ich möchte mich jeden Tag ein Stück weit mehr zeigen, mehr ich selber sein und allen um mich damit die Einladung und die Erlaubnis geben, auch sie selber zu sein.

Denn ich bin süchtig nach der Freiheit, die Echtheit mit sich bringt.

Marlies

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