Von sich ändernden Plänen und aufregenden Zeiten in Irland

Wir verließen unsere liebe Bernie und das BnB. Bereit für neue Abenteuer und mit einer sicheren Unterkunft für die letzte Woche. Jene „Urlaub gegen Hand“ – Unterkunft, die wir bereits vor unserer Abreise sicher hatten. Wir sollten zusammen mit einer kleinen deutschen Familie ein Ferienhaus winterfest machen. Wir freuten uns auf die neue Situation. Dennoch schliefen wir beide extrem unruhig und mit unerklärlichen Bauchschmerzen weckte ich uns beide keuchend (veganer Zuckercupcake oder Vorahnung?!)

Unsere Mitfahrgelegenheit setzte uns im Dorfzentrum ab („I usually don‘t take anyone in anymore. But I saw you two standing on both sides of the street and I wondered where are they heading to….stay careful – it‘s dangerous.“)

Wir warteten an einem Spielplatz auf die deutsche Familie, die uns zum scheinbar etwas außerhalb liegenden Haus bringen wollte. Und witzigerweise fühlten wir bereits dort ein leichtes Unwohlsein. „Ich hab irgendwie Angst, dass wir nicht ganz gleichwertig sein werden. Weißt du, was ich meine? Dass wir bei ihnen zu Gast sind und keine Mitbewohner?“, meinte ich.

Die Familie war wirklich sehr nett. Aber wir merkten beide sehr schnell, dass es trotzdem menschlich nicht passt. Und auch das abgelegene Haus nicht der richtige Ort für uns sei.

Während einer Haustour und Einführung in die für uns bereits ausgesuchten Arbeiten trudelte eine workaway Nachricht auf Julis Handy ein. Ich hatte kein Netz und Wlan gab es auch nicht. Zusätzlich zur Abgeschiedenheit des Grundstücks fühlte sich das für mich gar nicht gut an. Ein Glück, dass Juli Empfang hatte.

Wir zogen uns auf unser Zimmer zurück. Schlossen die Tür. Tranken etwas. Aßen den Weightlossbar, den Bernie uns zum Abschied geschenkt hatte (Wink mit dem Zaunpfahl?!) Schauten uns an. Und brauchten nicht viele Worte zu wechseln, um festzustellen, dass wir beide nicht bleiben wollten. Nicht mal für eine Nacht. „Ich will hier gar nicht auspacken.“

War es nicht ein merkwürdiger „Zufall“, dass genau an diesem Nachmittag, während wir ankamen und uns unwohl fühlten, als wir eine Alternative brauchten, eine langersehnte Antwort auf eine langvergessene Nachricht kam?

Wäre sie eher gesendet worden, hätten wir abgelehnt. Sie kam genau richtig. Wir schrieben zurück. Erzählten von unserer Situation und fragten ob wir spontan kommen könnten. Ohne eine Antwort abzuwarten entschieden wir uns dafür, weiter unserem Bauchgefühl zu folgen und noch heute abzureisen. Alles andere hätte sich wie „stecken bleiben“ am falschen Ort angefühlt.

„Ich hab so Angst vor dem Gespräch“, meinte Juli. „Wenn es für dich okay ist übernehme ich erstmal das Sprechen“, bot ich an. Da trifft es sich doch ganz gut, wenn man schonmal Hals über Kopf abgereist ist. (Siehe: Davon wie ich meinem Bauchgefühl vertraute)

Allein für dieses Gespräch hat sich die Erfahrung gelohnt, fanden wir später. Die Familienmama mit der wir sprachen, war verständnisvoll und bestärkte uns sogar darin, unserem Bauchgefühl weiter zu folgen. Sie bat uns, mit ihrer Tochter (3 J.) zu spielen, während sie etwas kochen und auf ihren Mann warten würde. Bis wir schließlich alle zusammen im Auto saßen, um zu einer guten Tramperstelle zu fahren, war es 16:30 und wir immer noch Antwort- und Planlos, aber glücklich mit unserer Entscheidung. Die Verabschiedung mit langen Umarmungen war schön.Und so saßen wir da. Genauer: ich lag, weil meine unerklärlichen Bauchschmerzen beim Familie kennenlernen wieder gekommen waren. An einer Kreuzung vor einem kleinen Mäuerchen mitten in einem kleinen Ort. Es fühlte sich so gut an getrennte Wege gegangen zu sein!

Wir schauten uns an. Was ist nochmal unser Plan? Wir haben keinen. Ahja richtig.

Ein Blick auf unsere Handys. Wir steckten in einem Funkloch. Kurz bevor wir zum nächsten Pub zogen um uns dort ins Wlan einzuloggen, tauchte ein weibliche anmutender Schatten über mir auf. „Are you alright, girls?“

So lernten wir Denise und Peter, vor deren Mäuerchen wir campierten, kennen. Sie kannten uns bereits seit den Morgenstunden als „die Tramper vor Castlebar“. Was für ein „Zufall“!! Die beiden nahmen sich unserer Situation an, suchten ein tolles Hostel im wunderschönen Westport raus und fuhren uns sogar die 22 km bis vors Eingangstor!

Wir waren und sind immer noch so überwältigt von dieser Geste!

Eingehüllt in die Wärme unserer Betten erreichte uns schließlich die workaway-Zusage. Morgen würden wir anfangen können.

Und so ging es weiter…

Für vier Nächte schliefen wir in einem Mobil home und arbeiteten für eine irische Familie mit Töpfereibetrieb. Aus verschiedenen Gründen, von denen ein sehr ausschlaggebender die Kälte war, blieben wir nicht länger (zwei Wärmflaschen, vier Decken und die Körperwärme des Anderen reichten nicht aus um uns warm durch die Nacht zu bringen). Stattdessen fuhren wir 131 km per Anhalter zu einem empfohlenen alten Hostel nahe des Connemara National Parks. Alt war es allemal. Noch dazu vollgestellt mit allem möglichen eingestaubten Grusch. In unserem Zimmer stand ein Beichtstuhl mit zerschlissenem Samtvorhang. Innen ein Hometrainer. Wir hatten noch eine kaputte Orgel, ein kaputtes Akordeon, einen Kinositz, zerbrochene Gegenstände aller Art, und vermodernde Bücher jeden Genres als Gesellschaft. Wir blieben zwei Nächte.

Verbrachten mehrere Stunden damit, uns etwas für die letzten zwei Nächte zu überlegen und rauszusuchen. Wir wussten nicht, was wir wollten und wie viel Geld wir bereit waren auszugeben. Seit einer Woche hatten wir dank Kälte, Schnarchgeräuschen und ungemütlicher Umgebung kaum geschlafen und sehnten uns nach Ankommen und Ausruhen. Gleichzeitig war da das Bedürfnis, noch mehr vom Land zu sehen, noch mehr zu erleben. Dieses orientierungslose Suchen war so frustrierend und langweilig und fühlte sich gar nicht nach vorankommen an. Ich war schon so weit, nachzugucken, ob wir unseren Flug vorlegen könnten. Ein Glück nicht.

Zugegeben, es brauchte wohl diese paar Stunden damit wir erkannten, dass diese Art von Suchen uns nichts bringt außer schlechter Laune und Heimweh.

Wir packten die Handys ein und verließen mal wieder ohne Masterplan unsere Bleibe. Entschieden uns für eine Richtung. Streckten den Daumen raus und warteten eine kleine Weile. Wir nutzten die „Wartezeit“, um wieder ein bisschen mehr in unsere Leichtigkeit zu finden und als wir den Druck losließen, hielt unsere Mitfahrgelegenheit an 🙂

Wir entschieden uns dafür, in der nächsten Stadt zu bleiben und zogen in ein süßes B&B ein. Für die letzen zwei Nächte wollten wir es sauber, warm und gemütlich haben. Dieser Tag war wichtig, um uns daran zu erinnern, dass die „äußeren Umstände“ weniger wichtig sind, als unsere Inneren. Was ich damit meine ist, dass es z.B. bestimmt sehr schön wäre, sich eine besondere Landschaft anzusehen, gleichzeitig würde ich sie gar nicht genießen können, wenn ich eigentlich gerade etwas anderes brauche, um mich wohl zu fühlen – Ruhe, Geborgenheit, Zeit für mich, … und es ist doch unglaublich wichtig, dass wir lernen, darauf zu achten, was wir wirklich gerade brauchen und uns das dann auch geben. Wenn es uns gut geht und wir uns leicht fühlen, ergibt sich alles Andere von selbst :))

Alles Liebe,

Marlies

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