Spontane Irlandreise – dem Bauchgefühl hinterher

Meine Freundin Juli hat mich zu einer spontanen Irlandreise (2,5 Wochen) überredet. Auf Instagram hab ich die Geschichte unserer ersten Tage in Einzelteilen und mit Minicliffhängern veröffentlicht. Jetzt hier exklusiv die Zusammenfassung :)) Viel Spaß beim Lesen!

Wir buchten die Flüge eine Woche vorher. Wir hatten noch keine Unterkunft und ein Budget, das durch die Flugkosten bereits halb ausgeschöpft war. Aber wir wussten, irgendwo in Irlands grünen Weiten – wahrscheinlich unter einem Regenbogen verborgen – liegt unsere perfekte Unterkunft. Wir schrieben täglich mehrere hosts auf workaway an und erhielten täglich mindestens eine Absage.

Trotzdem schlich sich leichte Verzweiflung nur selten und wenn, nur ganz kurz ein. Was ist unser Motto Juli?

„They say No – we say NEXT“

Auf sarahwunderwerk’s Vorschlag hin setzten wir uns ganz klare Intentionen. Schrieben auf, was wir erleben wollen, was wir uns von den fast drei Wochen erhoffen, was wir lernen möchten, was wir sehen möchten… Wir teilten unsere Wünsche und formten in uns ein aufregendes Abenteuer. Wir waren dankbar für die perfekte Unterkunft. Und bis kurz vor der Abreise war ich vollkommen erfüllt von dem Gefühl, bereits jetzt eine wundervolle Bleibe zu haben. Wir gingen vielen Ideen nach und fragten von Valentina auf Sizilien bis Sandra in Berlin jeden nach irischen Bekannten mit Unterbringungsmöglichkeiten. Nichts.

Letztendlich schrieben wir zwei Stunden lang an einem Text mit dem wir in zwei unterschiedlichen facebook-Gruppen unsere Situation und unsere Person beschrieben. Bei Urlaub gegen Hand schließlich regnete es die Kommentare. Empfehlungen und Ermutigungen. Die Menschen waren so unglaublich lieb und hilfsbereit in dem was sie schrieben. Und wir total überwältigt und dankbar. Schließlich fanden wir auf diesem Weg eine Bleibe für die letzten neun Tage. Blieben nur noch zehn weitere.

Für mich ging es schon am Dienstag los. Nachdem ich 3,5 Kilo Mirabellen in meinem 20er Jahre Cocktailkleid (kein tieferer Grund als Liebe zum Kleid) geerntet und verschwitzt verschenkt hatte (Funfact: Meine Intuition hatte am Morgen gesagt „ernte lieber jetzt schon, wo es noch kühler ist“, aber Marlies wollte unbedingt bei ihrer Tagesplanung bleiben. Das Ganze endete im Schweiße der prallen Mittagssonne).

Während Juli abends die Brote für den nächsten Tag schmierte, buchte ich völlig übermüdet und Schokolade mampfend ein Hostel in Dublin. Nicht direkt was wir wollten, aber wir hatten Glück und der Preis war um 46 % reduziert, so dass jede von uns nur 19,5 für eine Nacht im Damenschlafsaal (6 Betten) inklusive leichtem Frühstück zahlte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich meine ersten (zugegeben ein wenig hormongesteuerten) Zweifelattacken durchlebt und war froh über ein sicheres Bett. Ich war außerdem während der ersten ein bis zwei Tage sehr launisch und nicht ich selbst. Meine Reisebegleitung stellte sich als sehr geduldig und ausdauernd heraus. Eindeutig einer der Vorteile gegenüber Alleinreisen.

Ich finde es wichtig zu sagen, dass mir das Ganze am Anfang zu viel war. Ich hatte meine Tage, solche Tage, die extreme Minderwertigkeitskomplexe und Schmerzen mit sich bringen. Hinter einem Abenteuer steckt nicht immer nur das Funkeln in den Augen, mit dem man nachher davon berichtet. Sondern auch Momente des Zweifelns und der Überforderung.

Und das ist okay so. Man kann sich nicht zum Glücklichsein zwingen, aber man kann annehmen was man gerade fühlt und weitergehen.

Noch im Flugzeug entschieden wir uns schließlich dafür, Couchsurfing auszuprobieren – verzweifelten aber schnell an der Seite, die behauptete, ich käme aus Shanghai und mir nicht glaubte, dass ich Finnisch spräche.

Bis auf die Begegnung mit einem ehemaligen Klassenkameraend meiner Schwester im Flugzeug (klein ist die große Welt!), der leider keine Verwandtschaft mit Arbeitsmöglichkeiten in Irland vorzuweisen hatte, passierte nichts Außergewöhnliches.

Wir gaben uns viel Zeit um alles ganz entspannt zu machen. Bloß kein Rumgehetze und Gestresse! Im Hostel angekommen verbrachten wir die meiste Zeit damit, das Internet weiter zu durchforsten, eine Entscheidung für die nächste Nacht zu treffen und mit meinen Stimmungstiefs umzugehen.

Ich erkannte ein weiteres Mal, dass sogenannte Sehenswürdigkeiten, wie Gebäude, mich wenig reizen und mir nichts geben. Länger in Dublin zu bleiben und Highlights der Stadt von einer vorgegebenen Checkliste abzuhacken, hätte mich bzw. uns nicht erfüllt. Wir widerstanden also dem Drang, zu sehen „was man sehen muss“ und buchten eine Nacht in Galway. Eine kleinere Stadt an der Westküste, deren Umgebung uns anlockte.

In diesem Hostel fühlten wir uns um Welten wohler. Es war sauberer und strukturierter. Wir freundeten uns mit einer redebedürftigen BWL-Studentin auf Wohnungssuche an und schlenderten abends mit ihr durch die gut gefüllten Gassen. In Irlands „Pub of the year 1651“ kosteten wir – ganz die Touristen – ein Guiness und genossen irische Live Musik und Tanz.

Im glücklichen Rausch spannten wir einen genialen Plan für den nächsten Tag.Der nicht aufging und uns ratlos in einem Einkaufszentrum frühstücken lies.

Mittlerweile hatten wir dank unserem Post bei „Urlaub gegen Hand“ Kontakt mit einer irischen B‘nB-Besitzerin, Bernie, aufgenommen. Sie war bereit, uns für drei Probetage zum Arbeiten gegen Kost und Logis aufzunehmen. Allerdings hatten wir ihr im Laufe unserer „genialen Planentwicklung“ gesagt, wir würden am Samstag anreisen. Nun war es Freitagmorgen und der Plan, wie gesagt, nicht aufgegangen. Wir fragten an, ob wir bereits heute kommen könnten. Keine Antwort.

Auf dem Weg vom Einkaufszentrum zurück zum Hostel, in dem noch unser Gepäck lagerte, spielten wir „Act as if“, also „Tu so als ob“. Es geht darum, so zu denken, fühlen, sprechen und handeln, als wäre das Gewünschte bereits eingetreten. Ich liebe dieses Spiel und seine Auswirkungen!

Wir taten also so, als wäre es bereits Abend und alles zu unserem Besten weitergegangen. Mit großen Worten lobten wir das Leben und seine Wege. Ich erzählte Juli, dass es genau diese Tage seien, die ich liebte – die, an denen man morgens nie hätte ahnen können, wie unfassbar toll der Tag enden würde. „Weißt du noch, wie ratlos wir heute morgen waren? Und jetzt sind wir hier – an diesem wunderschönen Ort – ich bin so glücklich!“

Bauchmenschen wie wir es sind, gingen wir die meiste Zeit dem nach, was sich gut anfühlte. So verfolgten wir Ideen, die sich „irgendwie nicht richtig“ anfühlten, nicht weiter, ganz gleich wie vernünftig sie erschienen.

So hatten wir beide ein gutes Gefühl dabei, einfach ein wenig weiter durch Galway zu schlendern und Bernie Zeit zum Antworten zu geben oder uns einem Geistesblitz zu öffnen. Eine weitere Nacht im schönen Galway wäre uns zu teuer geworden, da die Preise so kurzfristig und am Wochenende besonders hoch waren.

Als wir gegen 13 Uhr weder eine Antwort, noch eine perfekte Alternatividee erhalten hatten, gingen wir auf den Vorschlag bereits erwähnter BWL-Studentin ein, die uns aufgrund geglückter Wohnungssuche ihr Hostelbett anbot. Unter diesen Umständen konnten wir uns ein weiteres Bett leisten. Wir zahlten an der Rezeption, gingen ein paar Schritte, als Juli den Drang verspürte, noch ein Mal ihre Nachrichten zu kontrollieren. „Wetten, jetzt hat Bernie geschrieben?“ … „Ich glaubs nicht, sie hat vor drei Minuten geschrieben – Of course you can come today!“

Ich weiß nicht, warum ihre Antwort genau zu diesem Zeitpunkt kam. Vielleicht um uns die Erfahrung zu schenken, dass super liebe Hostelmenschen uns kostenfrei stornieren lassen?

Bei Bernie anzukommen war definitiv das Happy-End vom ersten Abschnitt unserer Reise. Wir konnten unser Glück kaum fassen – sie hatte uns gegen unsere Befürchtungen nicht rausgeschmissen, als sie hörte, wir seien Veganer.

Abends lagen wir lachend und erfüllt im Bett. Bereit, unser morgiges „Tu so als ob“-Gespräch erneut zu führen. Nun allerdings in einem hellen, gut duftenden Raum mit traumhafter Bettwäsche und dem irischen Landleben vorm Fenster. Unter den Fittichen einer liebevollen Oma, die uns „lovings“ und „hons“ nennt.

Traumhafte Tage sollten auf uns warten.

Alles Liebe,

Marlies mit Juli

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